Wie alles begann…

Mittendrin in der Klimakrise – unserer Meinung nach Grund genug, um einen “(Klima)Krisenstab” zu gründen. Unser Orga-Team – von uns (Klima)Krisenstab genannt – bestand aus neun Vertreter*innen Münchner Organisationen, die bereits vielfach engagiert waren. Insbesondere in den Bereichen Ernährungswende, Klima- und Umweltschutz sowie nachhaltiger Veranstaltungsorganisation und -durchführung. Im Krisenstab hatten wir Vertreter*innen der folgenden Institutionen: Green City e. V., Kartoffelkombinat – der Verein e. V., Kartoffelkombinat eG, Ernährungsrat München, Tollwood – Gesellschaft für Kulturveranstaltungen und Umweltaktivitäten mbH und die anstiftung, gemeinnützige Stiftung.

Ein klarer Vorteil, dass wir auf einen breiten Erfahrungs- und Sachverstand in Sachen Bündnisarbeit und Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen aufbauen konnten. Aufgaben, die wir im Krisenstab nicht leisten konnten – beispielsweise Buchhaltung und Spendenverwaltung – versuchten wir an Bündnispartner*innen auszulagern.

500 Münchner Organisationen und Unternehmen für ein besseres Klima

Wir starteten mit 125 Münchner Unternehmen und Organisationen und einer Zeitungsanzeige. Das Bündnis wuchs schnell: Inzwischen haben wir 500 Bündnispartner*innen die sich hinter die Forderungen der Fridays For Future stellen.

Im Sommer 2019 – kurz nach Veröffentlichung des Forderungskatalogs der Münchner Fridays For Future – schalteten wir eine Zeitungsanzeige unter der Überschrift “München muss handeln”. Wir machten weiter, fanden viele weitere Bündnispartner*innen und hatten eine Vision: Wir wollten uns mit unterschiedlichsten Aktionen aktiv in die Stadtpolitik einbringen und die von der Bevölkerung gewählten Politiker*innen bis zur Kommunalwahl immer wieder an ihre Verantwortung gegenüber den Bürger*innen zu erinnern.

Ende 2019 waren wir auf dem Tollwood -Winterfestival präsent, organisierten u. a. eine Kundgebung für „Klimaneutralität für München bis 2035“ sowie ein „Virtuelles Public Viewing“ für die Vollversammlung des Stadtrates am 18. Dezember 2019, in der Klimaneutralität bis 2035 und der Klimanotstand für München beschlossen wurden. Im Januar 2020 veröffentlichten wir den (Klima)Wahlhelfer. Zwei Wochen vor der Wahl diskutierten wir mit den OB-Spitzenkandidat*innen der Münchner SPD, CSU und B90/Die Grünen über konkrete Maßnahmen auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2035.

Mit viel ehrenamtlicher Unterstützung und Spenden – durch die wir zwei bezahlte Koordinationsstellen schaffen konnten – organisierten wir in den Monaten vor der Münchner Kommunalwahl verschiedene Aktionen, um auf die Bedeutung der Wahl hinzuweisen. Dabei hatten wir den Rückhalt aus der Münchner Zivilgesellschaft: 500 Unternehmen und Organisationen schlossen sich letztlich unserem Bündnis an und forderten die Umsetzung der Forderungen. Unser Bündnis hatte keine eigene Rechtsform. Spendeneingänge oder andere finanzielle Zuwendungen konnten wir über drei unserer Bündnispartner – darunter ein gemeinnütziger Verein und zwei Unternehmen – abwickeln.

Unsere Aktionen

Offener Brief an den Münchner Stadtrat

Am 25. Juni 2019 veröffentlichten die Fridays for Future München ihren kommunalpolitischen Forderungskatalog an den Stadtrat. Das gab uns Anlass, befreundete Unternehmen und Organisationen zu kontaktieren: Wir fanden innerhalb kürzester Zeit über hundert Verbände, NGOs, Stiftungen und Unternehmen, die sich gemeinsam mit uns hinter die Forderungen der Schüler*innen stellten und bereit waren, sich finanziell an einer Zeitungsanzeige zu beteiligen. Dadurch wollten wir den Druck auf die Politik erhöhen. Nur wenige Tage später – am 6. und 7. Juli 2019 – schalteten wir in der Münchner Tagespresse (SZ, AZ, tz, Bild, WamS) einen offenen Briefs mit dem Appell “München muss handeln” im Titel. Begleitet wurde die Anzeigenkampagne via Social Media unter dem Hashtag #muenchenmusshandeln. Alle Unterstützer*innen fungierten wiederum als Multiplikator*innen, sodass sich nach und nach weitere Unternehmen und Organisationen anschließen wollten und unser Bündnis rasch wuchs.

Der “(Klima)Wahlhelfer”

Pressekonferenz zur Veröffentlichung des (Klima)Wahlhelfer im Januar 2020.
v.l.n.r.: Daniel Überall (München muss handeln), Etienne Denk (Fridays For Future München) und Dr. Kai Zoßeder (Scientists For Future München)
(Foto: Bernd Wackerbauer)

Unser Wahltool zeigte, wie die zur Wahl stehenden Stadträt*innen und Parteien zu den 32 Klimaschutz-Forderungen stehen. Für den (Klima)Wahlhelfer studierten Expert*innen und ein ehrenamtlich tätiges Redaktionsteam die Wahlprogramme der zur Kommunalwahl zugelassenen Parteien und glichen deren Aussagen mit den 32 Forderungen der Fridays for Future München ab. Die Parteien konnten diese vorab kommentieren.

Die Punktebewertung wurde folgendermaßen vergeben:

  • 0 Punkte: Der Forderung der FFF München wird in keinerlei Weise entsprochen oder kommt gar nicht zur Sprache.
  • 1 Punkt: Der Forderung der FFF München wird in vollem Umfang entsprochen.
  • 0,5 Punkte: Die Forderung der FFF München wird nicht vollständig aufgenommen, das im Programm Genannte geht aus unserer Sicht aber in die richtige Richtung. Ebenfalls 0,5 Punkte wurden vergeben, wenn auf die FFF-Forderung zwar eingegangen wurde, jedoch keine präzise Aussage zum Umsetzungszeitraum genannt ist.

Flaggen-Flashmob

Unsere Fotocollage aus allen eingesendeten Klimaflaggenbildern wurde in den sozialen Medien mit den Hashtags #klimawahl2020 und #muenchenmusshandeln geteilt.
(Collage: Horand Thönges)

Digital viral vor der Kommunalwahl

Wir nähten und bedruckten umweltfreundliche, revolutionäre Klimawahlflaggen aus alten Stoffen und verteilten sie im Bündnis und an die Bürger*innen. Ziel dieser Aktion: Flagge zeigen und am 15. März das Wahlkreuz für den Klimaschutz setzen.

Fotos der Münchner*innen mit ihren Flaggen sammelten wir und bastelten daraus eine Foto-Collage. Eine Woche vor der Wahl gingen wir mit dieser und den Hashtags #klimawahl2020 und #muenchenmusshandeln digital viral.  Die Flaggen konnten sogar als Rucksack weiter getragen werden oder werden für die Bundestagswahl 2021 erneut genutzt.

Klimawahl 2020 – Zukunft oder Zaudern?

Podiumsdiskussion mit den OB-Kandidat*innen

Um die 600 Münchner*innen waren am 27. Feburar 2020 dabei.
(Foto: Bernd Wackerbauer)

Unser Moderator*innenduo Katharina Habersbrunner (WECF – Women Engage for a Common Future e. V.) und Michael Schilling (Chefredakteur der Münchner Abendzeitung) diskutierten mit Dieter Reiter (SPD), Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Bündnis 90/Die Grünen) über konkrete Maßnahmen für eine klimagerechte Zukunft – vom Radlweg bis zur Ernährungswende reichten die Themen. Rund 600 Münchner*innen waren vor Ort dabei. Über einen Live-Stream übertrugen wir die Veranstaltung via YouTube.

Zudem hatten wir eine Jury aus Fachexpert*innen eingeladen, um die Aussagen der Gäste verifizieren zu können. Eine Vertreter*in der Fridays for Future München lieferte eine eindrucksvolle Apokalypse von München im Jahr 2050.

Bundesweite Vernetzung

Alle müssen handeln? Ja!

Als München muss handeln waren wir Vorbild für viele weitere Städte und Kommunen. Im Laufe des Sommers 2020 konnte das überregionale Bündnis Alle Müssen Handeln um weitere Regionalgruppen erweitert werden: Bochum Muss Handeln, Bielefeld Handelt, Münster Muss Handeln und auch Aachen Muss Handeln haben sich innerhalb von zwei Monaten mit dem gleichen Ziel gegründet: Klimaschutz muss in die Koalitionsverträge der Städte Einzug halten. Weitere werden folgen. Alle Infos zu den Bündnissen auf der Homepage von Alle müssen handeln.

Die Kommunal- oder Landtagswahl steht vor der Tür?

Unser (Klima)Wahlhelfer ist inzwischen deutschlandweit auf die Reise gegangen. Die Open-Source-Software kann schnell und unkompliziert auf die Wahl vor Ort umgeschrieben werden.

Um den (Klima)Wahlhelfer einzusetzen braucht es:

  • Einen Katalog von Forderungen für die Wahl, unterteilt nach Kategorien
  • Leute, die die Wahlprogramme der Parteien nach Erfüllung der Forderungen prüfen und ggf. mit Politiker*innen und Wissenschaftler*innen ins Gespräch gehen, um die Bewertung fair festlegen zu können
  • (Ehrenamtliche) Redakteur*innen, die Inhalte ins Tool einpflegen
  • Öffentlichkeitsarbeit vor der Wahl, sodass möglichst viele Bürger*innen das Tool als Entscheidungsgrundlage nehmen

Wie geht es weiter?

Wir haben unsere Aktivitäten nach der Koalitionsbildung des Münchner Stadtrats im Frühsommer 2020 weitgehend eingestellt. Als Bündnis bleiben wir selbstverständlich weiterhin bestehen.

Weblinks