1.4.: Was wäre, wenn wir in München grüner wohnen könnten?

#München2035: Der Weg zur Arbeit wäre ein Spaziergang durch blühende Alleen, der Blick aus dem Fenster würde grüne Baumkronen zeigen und Blumenwiesen, auf denen sich die Bienen tummeln. Wilder Wein an jeder Hausfassade, auf allen Dächern würden Salat und Tomaten wachsen – und das ganze mitten in München, nur einen Katzensprung vom Zentrum entfernt. Geht nicht? Doch! Lies weiter…

Das Problem ist einfach: Es heißt Beton. Und Asphalt und Teer und Pflastersteine. Seit Jahren wachsen deutsche Siedlungen und Städte stetig und schlucken dabei nach und nach enorme Mengen Fläche. Was früher Wald und Wiesen war, wird zum asphaltierten Neubaugebiet. Das ist nicht nur schade für all die Naturmenschen, die etwas Grün in ihrer Nachbarschaft zu schätzen wissen. Es ist auch ein erhebliches Problem für Stadtklima, Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt, ganz besonders in großen Städten.

„Versiegelte Fläche“ bedeutet, dass der Boden luft- und wasserfest abgedichtet ist. Hier kann nichts wachsen: kein Baum, der im Sommer Schatten spendet und die Luftqualität verbessert, keine Blumenwiese für die Bienen, die es ohnehin in Städten heute schwer haben. Auf versiegeltem Boden kann kein Regenwasser versickern – bei starken Regenfällen steigt so die Gefahr für Überschwemmungen, gleichzeitig wird das Grundwasser nicht aufgefüllt. Im Sommer kann hier auch kein Wasser aus dem Erdreich an der Oberfläche verdunsten, ein Prozess, der ähnlich wie Schweiß auf der Haut das Stadtklima kühlt. 

Klar – München wächst, und Wohnraum ist knapp. Deshalb muss gebaut werden. Die Frage ist nur: Wie wollen wir in Zukunft bauen? Wir sind der Meinung, genügend erschwinglicher Wohnraum und freie Flächen für die Natur in der Stadt sind kein Widerspruch. Fridays for Future fordert: Die Flächenversiegelung muss auf maximal 50 % des Stadtgebietes beschränkt werden. Dachgärten, Fassadenbegrünung und Blühstreifen brauchen gezielte Förderung, bei der Planung von neuen Bauvorhaben sind diese Aspekte zu berücksichtigen.

Und das ist keine Utopie: In welche Richtung es gehen kann, zeigt der Ackermannbogen in Schwabing West. Hier wurde vor einigen Jahren Wohnraum für zahlreiche Familien geschaffen, mit großen Freiflächen, die die Anwohner*innen gemeinschaftlich zum Kickern, Fußball- und Tischtennisspielen nutzen, zum Drachensteigen oder Spazierengehen. Hier wächst Grün auf den Dächern und Salat in den Beeten des „Stadtackers“, dem gemeinschaftlichen Gartenbauprojekt des Nachbarschaftsvereins Ackermannbogen e.V.

Der Verein bietet auch Programme zur Umweltbildung der Anwohnerschaft an, gibt Führungen zum Naturschutz im Viertel und hält die Gemeinschaft des Ackermannbogens ganz allgemein zusammen. Der Ackermannbogen ist ein kleines eigenes Stadtteilquartier, mit Gemeinschaftsräumen, Supermarkt und kurzen Wegen überall hin. Ein Auto braucht hier im Quartier eigentlich niemand.

Was der Ackermannbogen vormacht, brauchen wir überall: München muss grüner werden, und zwar überall dort, wo Menschen wohnen. Pläne für neuzubauende Wohngebiete müssen so gestaltet werden, dass der Flächenversiegelung nicht noch mehr Futter gegeben wird. Bereits bestehende Stadtteile müssen umgestaltet werden. Zum Beispiel hat auch Green City e.V. hier schon viel geleistet mit Projekten wie der Wanderbaumallee oder dem Giesinger Grünspitz. Der Englische Garten und die Isarauen allein reichen nicht: Wir brauchen noch viel mehr Englische Gärten in München, in jedem Viertel und an jeder Ecke.

Quelle zur Bodenversiegelung: https://www.umweltbundesamt.de/daten/flaeche-boden-land-oekosysteme/boden/bodenversiegelung#bodenversiegelung-in-deutschland

Ackermannbogen e.V.: https://ackermannbogen-ev.de