Was wäre, wenn alle MüncherInnen mit regionalen Nahrungsmitteln versorgt werden könnten?

Geht nicht? Geht doch! Mit zwei fleischlosen Tagen in der Woche ist das zu schaffen.

Möchtest Du auch gerne in einer Stadt leben, in der alle Bewohner die Möglichkeit haben, Nahrungsmittel aus regionalem und ökologischem Anbau zu beziehen? Noch ist es so, dass ein Großteil unserer Lebensmittel eine Reise rund um den Globus hinter sich hat: Die Bohnen kommen aus dem Senegal, der Kabeljau wird in asiatischen Meeren gefangen und die Zwiebeln stammen aus Israel. Das Ganze hat zwei Nachteile: Zum einen weiß der Verbraucher nicht, wie die Produktion- und Arbeitsbedingungen im Herkunftsland sind, zum anderen schaden Transport und Konservierung der Umwelt – auch wenn die Ware appetitlich angeordnet in unseren Supermärkten liegt und ein Bio-Label darauf glänzt.

Geht das in Zeiten der Globalisierung auch anders?

Es gibt hoffnungsvolle Initiativen in der Stadt.

Der Münchner Ernährungsrat, ein unabhängiges Bündnis aus Akteurinnen und Akteuren der Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft , setzt sich für „ein resilientes, gerechtes und gemeinwohlorientiertes Ernährungssystem in unserer Stadt“ ein. Ziel ist es, allen StadtbewohnerInnen saisonale und regionale Lebensmittel aus fairer und ökologischer Herstellung sowie artgerechter Tierhaltung anzubieten. Das Bündnis hat es sich zur Aufgabe gemacht, alternative Versorgungsstrukturen zu fördern und bekannt zu machen sowie auf politischer Ebene Einfluss zu nehmen.

Ein konkretes Projekt, das eine alternative Versorgung in München anstrebt, ist das derzeit in Gründung befindliche Food Hub. Das Ziel der jungen Bewegung ist, Nahrungsmittel direkt von Erzeugern zu beziehen und anzubieten – frisch, bio, saisonal, regional und ohne große Plastikverpackung.

Und bereits mehr als 1.500 Münchner und MünchnerInnen  erhalten ihre lokale Grundversorgung vom Kartoffelkombinat. Voraussetzung für die Lieferung einer regionalen, saisonalen und ökologischen Gemüsekiste ist, dass man Genossenschaftsmitglied ist. Das Konzept lehnt sich an die Prinzipien der solidarischen Landwirschaft an.

300 Erzeugerbetriebe in München und elf Landkreise haben sich unter „Unser Land“ zusammengeschlossen. Sie vertreiben ihre Produkte, die meisten in Bio-Qualität, gemeinsam unter dieser Dachmarke und sind auch ohne Mitgliedschaft in vielen Supermärkten erhältlich.

Auch Tagwerk, als Erzeugergemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung mit regionalen und saisonalen Bioprodukten zu versorgen und hat eine eigene Marke, die in vielen Naturkostfachgeschäften zu finden ist.

Sowie Genussgemeinschaft Städter & Bauern.

Auch aus München und für München: Tollwood, deutschlandweites Leuchtturmprojekt für nahezu 100% Bio auf Grossveranstaltungen !

Diese und viele andere Beispiele stimmen hoffnungsvoll, es gibt viele Menschen, die als AktivistInnen oder KonsumentInnen die regionale Versorgung in München und Umgebung nach vorne bringen. Man darf nicht vergessen, dass 1,5 Mio MünchnerInnen eine gewaltige Markmacht bündeln.

Gibt es aber auch die Chance, diese regionale Versorgung für alle MünchnerInnen zu ermöglichen?

Nein und ja!

Damit hat sich die Firma ECOZEPT aus Freising beschäftigt. Sie haben errechnet, wievviel Hektar Fläche München benötigen würde, um sich regional zu versorgen. Rund 350000 Hektar bräuchte die Stadt, erklärt Michael Böhm von ECOZEPT, der auch ehrenamtlich im Vorstand des Münchner Ernährungsrat tätig ist. Das würde sämtliche landwirtschaftliche Flächen von 10 Landkreisen um München herum mobilisieren. Allerdings wohnen in diesen Landkreisen ebenfalls Menschen, die versorgt werden wollen. „Die Antwort ist also „nein“, München kann sich bei den aktuellen Essgewohnheiten nicht regional versorgen, sagt Böhm.
„Aber mit nur zwei fleischlosen Tagen pro Woche und Münchner könnte man rein rechnerisch die EinwohnerInnen der Europäischen Metropolregion München1 mit regionalen Nahrungsmitteln satt bekommen.“  

1Die Metropolregion München reicht von Eichstätt im Norden bis Garmisch-Partenkirchen im Süden und von Dillingen an der Donau und dem Ostallgäu im Westen bis nach Altötting im Osten und umfasst somit weit mehr als das Münchner Umland.

One thought on “Regionale Ernährung

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