1.6. Was wäre, wenn Lebensmittelverschwendung in München kein Problem mehr wäre?

Container – eigentlich eine praktische Angelegenheit. Kann man überall hinstellen, gibt’s in allen Größen von der Brotdose bis zur Überseefracht, kann man Dinge drin lagern, drinnen wird nichts nass oder trocknet nichts aus, je nach dem. Seit einigen Jahren jedoch macht der Begriff „Containern“ unter einem anderen Vorzeichen Schlagzeilen: „Containern“ bedeutet, dass Menschen in den Mülltonnen von Restaurants, Bäckern, Supermärkten nach Lebensmittel suchen, die sie noch verwerten können.

Bekanntermaßen landen besonders in Supermarktmülltonnen nicht nur schlechtgewordene Lebensmittel, sondern auch solche, die das Mindesthaltbarkeitsdatum erst knapp überschritten haben oder die für den Verkauf nicht schön genug aussehen (eine krumme Gurke, ein eingedellter Apfel…). Menschen, die containern, treibt häufig nicht oder nicht primär die Sparsamkeit, sondern der Wunsch, diese Lebensmittel vor der Tonne zu retten.

Das Problem dabei: Containern ist in Deutschland verboten. Der Müll gehört dem Supermarkt, und Lebensmittel aus dem Müll zu entfernen gilt als Diebstahl. Erst 2019 ging wieder ein Fall durch die Medien: Zwei Münchner Studentinnen waren des Diebstahls für schuldig befunden worden, weil sie Lebensmittel gerettet hatten.

Warum ist Lebensmittelverschwendung so ein Problem?

Die Welthungerhilfe schätzt, dass in Deutschland rund 11 Millionen Tonnen im Jahr verschwendet werden, davon allein in Privathaushalten rund 55 kg pro Kopf. Die Verbraucherzentrale geht sogar von insgesamt 18 Tonnen an pro Jahr aus – allein in Privathaushalten Waren im Wert von 20 Milliarden Euro. Dort werden zurzeit vor allem Obst und Gemüse weggeworfen – über ein Drittel der verschwendeten Lebensmittel fällt in diese Kategorie, am kleinsten ist der Anteil bei Fisch und Fleisch.

Die Produktion aller Lebensmittel verbraucht eine Menge Ressourcen – nicht zuletzt Fläche, Wasser und Energie, aber es werden auch klimawirksame Treibhausgase ausgestoßen. All das wird umsonst aufgewendet, wenn die erzeugten Produkte dann nicht mal zum Einsatz kommen. Das ist besonders kritisch, wenn die Lebensmittel nicht hier in Deutschland, sondern in anderen Teilen der Welt produziert wurden. Dann kommen nämlich noch Transportwege hinzu und zum Beispiel die Rodung des Amazonas-Regenwaldes, um Weide- oder sonstige Anbauflächen zu gewinnen. All diese Punkte sind auch für das globale Klima mehr als relevant.

Deshalb fordert Fridays for Future von der Stadt München „eine verantwortungsvolle Sammlung von weggeworfener noch essbarer Nahrung“ und „die Erhebung von nennenswerten Gebühren für Entsorgung von Lebensmitteln, insbesondere für Gastronomie und Einzelhandel.“ München muss handeln stellt sich auch hinter diese Forderung – der Verschwendung von wertvollen Nahrungsmitteln muss Einhalt geboten werden!

Was kann jede*r von uns jetzt schon tun?

Containern ist und bleibt wohl voraussichtlich fürs Erste eine Straftat, so löblich das Anliegen auch ist. Aber auch, wer sich nicht der Gefahr aussetzen will, von der Polizei wegen Diebstahls belangt zu werden, kann einiges tun, um Lebensmittelverschwendung zu verringern.

Die Klassiker sind natürlich: nur kaufen, was wir brauchen, nicht zu viel auf Vorrat und strukturiert den Einkauf vorweg planen. Reste verpackt im Kühlschrank aufheben oder einfrieren, im Restaurant einpacken lassen – am besten in die selbst mitgebrachte Brotzeitdose. Außerdem Gemüse und Obst auf die richtige Weise lagern und das Mindesthaltbarkeitsdatum auch mal infrage stellen, besonders wenn der Joghurt noch normal aussieht, riecht und schmeckt.

Darüber hinaus gibt es auch einige Organisationen und Initiativen, die sich gegen die Wegwerfwut einsetzen, der so viele Lebensmittel zum Opfer fallen. Ganz oben mit dabei ist Foodsharing, die auch in München lokal aktiv sind und einige Fair-Teiler in der Stadt betreiben, wo nicht mehr benötigtes Essen hingebracht, aber auch umsonst abgeholt werden kann. Für alle, die gerne auswärts essen, lässt sich die App „Too good to go“ empfehlen.

Und natürlich, zu guter Letzt: Wir alle können uns gut überlegen, wen wir bei der anstehenden Kommunalwahl am 15.03.2020 in den Münchner Stadtrat wählen wollen. Unserer Klimawahlhelfer zeigt ganz genau, welche Partei sich der Forderung von FFF nach weniger Lebensmittelverschwendung anschließt und wer nicht. Klickt euch durch!

Quellen:

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